Bericht einer Pflegestelle


2009 kam ich zum ersten Mal mit dem Tierschutz Lilliin Berührung. Bisherige Hunde waren aus dem Tierheim oder auch der Zeitung, wie das früher so üblich war. Aber nun wollte ich mal etwas richtig Gutes tun und adoptierte meine Lilli aus Italien.

Bis ich sie fand war es ein wochenlanger Weg und ich lernte auch so manche Tierschutzvereine zu differenzieren.

2010 schlidderte ich dann durch einen komischen Zufall über ein Forum und eigentlich einen Spaß - welchen Hund würde man sich als Pflegestelle aussuchen, wenn man denn eine wäre - in das Abenteuer Pflegestelle. Indem ich erfuhr, dass gerade die Hündin, die ich toll fand, in meiner Nähe wohnte und eine neue Pflegestelle suchte. Ich bewarb mich kurzerhand bei dem zuständigen Verein, der Tierhilfe Chalkidiki/Griechenland.
Aber könnte ich den Hund wieder hergeben? Ja, ich muss, ich kann einen 2. unmöglich finanzieren.

Die für mich zuständige Vermittlerin - damals Christine Wattler - rief mich an. Der Hund hatte im letzten Moment noch ein Endzuhause gefunden! Super! ...Aber da gäbe es eine Hündin, die auch dringend wechseln muss, ob ich mir die mal im Internet anschauen mag? Gesagt getan, noch am Telefon schaute ich nach. Ein schwarzer, großer Hund, nicht ganz mein Beutechema aber ich sagte zu, in stillem Ehrgeiz mal wirklich was richtig Gutes zu tun!

Vaska wurde Vaskaaus München per Mitfahrerzentrale mitten in der Nacht bei mir in Bremen abgeliefert.
Sie war noch sehr scheu, aber es lief alles gleich recht gut. Mit meiner Lilli gab es keine Probleme, sie ist eher der zurückhaltende Typ und sehr gut sozialisiert. In der Wohnung sprang Vaska gleich auf das "Menschensofa" und als ich sie reflexartig runterziehen wollte schnappte sie.
Oweh, dachte ich voll Panik, was hab ich uns da angetan!?
Darüber kann ich heute wirklich lachen. Ich/wir haben so viel dazu gelernt, vor allem Verständnis! Hunde die auch direkt aus Griechenland kamen, herrje, sie kennen ja teilsweise gar keine Wohnungen, keine Türen, kein Spazierengehen und schon gar nicht unsere Sprache! Sie hat doch völlig normal reagiert, sie war grade 3 Wochen in Deutschland und kam in dem anderen Haushalt mit dem Mann nicht zurecht, leider ein häufiges Problem der Auslandshunde, denn wenn sie Gewalt erfahren, doch eher von Männern...mit Cappis/Mützen und Sonnenbrille am besten noch...und musste nochmal umziehen.

Mit Vaska (Kritikos Lagonikos wahrsch. reinrassig) hat sich das ann aber alles sehr schnell eingespielt, ich bin immer wieder erstaunt, wie schnell die Hunde sich einleben, jedes Mal denke ich nach 3-4 Tagen, ach guck, als wären sie schon wochenlang da ;).
Nach 2 Monaten fand sie schon ihr Zuhause, in 180 km Entfernung von uns auf dem Land, mit riesigem Garten inkl. Agilityparcour.
Wir haben noch Kontakt und mittlerweile verbringen wir dort unser Silvester, meine Pflegis kommen natürlich immer mit :).

Es folgten noch weitere, die XeXenjanja (Schäferhund/Huskymix) war 5 Monate hier, meine kleine Schlaftablette, sie und ein Spanier hatten es mir am meisten angetan.
Da braucht man nichts beschönigen, die Abschiede sind einfach fürchterlich! Die meisten  Adoptanten melden sich zum Glück von Zeit zu Zeit, das gibt uns Pflegestellen und den Vermittlern wirklich sehr, sehr viel!
Wenn sie abgeholt werden oder man sie hinbringt, ist das ein ganz schlimmes Gefühl von "den Hund im Stich lassen", weil man weiß er muss jetzt erstmal wieder "da" durch. Bei Xenjas Auszug rannte meine Lilli sogar noch dem Auto hinterher - herzzerreißend!

Dann kamLikia am Tag von Xenjas Auszug gleich im Anschluss die (noch) kleine Likia mit ihren 7 Monaten, sie war 11 Monate hier und ist jetzt supertoll nach Heidelberg vermittelt, zu einem Pärchen woraus sogar eine tolle Freundschaft mit jährlichen Kurzurlauben entstanden ist - natürlich mit den Hunden :).

Anthina (Labradormix) war hier 6 Monate, alle von der Tierhilfe Griechenland. Dann hatte ich eine Rumänin (Dackelmix) und einen Spanier (IrishTerriermix) aus einer Tötungsstation über 2 andere Vereine und dann noch die weiße Emma - mein kürzester Gast mit 3 Wochen.
Die Rumänin, Anthina und Emma sind in der Nähe geblieben und man hat noch lockeren Kontakt.

Collage

Es gab auch bei meiner Lilli Veränderungen durch die Pflegis, es hat alles seine Vor- und Nachteile. Wir nehmen mittlerweile lieber kleinere Hunde, dann hat sie nicht so ein Konkurrenzdenken, als wenn sie genauso groß sind wie sie. Sie wurde nicht problematisch, aber es ging ihr mit den gleich großen irgendwann nicht mehr so gut, dass ich sogar ganz aufhören wollte. Aber mit den Kleinen, siehe da, ist wieder alles schön!

Mein Traum ist immer noch all meine Pflegis - zumindest von der Tierhilfe Griechenland - auf einmal bei dem Hundetreffen zu sehen und ein Gruppenfoto zu machen^^. Je mehr ich hatte, desto unwahrscheinlicher wird dies allerdings...

So oder so, ich hoffe noch lange Pflegestelle sein zu können, es ist immer wieder schön zu sehen wie die Hunde hier aufblühen, es gibt wirklich nichts schöneres!
Ich kenne keine andere Tätigkeit, bezahlt oder unbezahlt, die einem so ein Gefühl gibt etwas geleistet zu haben!


Wer noch mehr Interesse am Pflegestellenleben hat, kann gerne in Lillis Tagebuch stöbern.