Enni

Enni


Hallo,
ich bin die Ennie aus Griechenland. Ich wurde auf einer vielbefahrenen Straße gefunden und gerettet. Danach war ich länger im Tierheim und kam dann auf eine Pflegestelle. Mein Frauchen suchte damals nach einem Hund und fand mich über die Postleitzahl. Sie fand mich klasse, wollte mich aber erstmal kennenlernen und gucken ob ich mit den Mädels, damals 14 und 17 klarkam, das war nämlich die Voraussetzung.

Erstmal hat sie mich alleine kennengelernt. Wir haben uns draußen getroffen und sind spazieren gegangen. Ganz zum Ende bekam ich den Wechsel der Leine zur Pflegestelle gar nicht mit und wollte gleich mit nach Hause. Den Test mit den Mädels hab ich auch prima gemeistert und durfte einziehen. Mein Frauchen wußte zwar, dass ich keine fremden Männer in der Wohnung mag und Schuhe anbelle. Dann kam der Papa der Mädels zu Besuch und ich dachte nur oh ein Fremder im Garten und der umarmt meine Mädels. Ich sag Euch, den hab ich angemacht, aber ich hab nicht nur die Schuhe angebellt, ich kann nämlich mehr ;). Der ist ganz schön schnell rückwärts gestolpert. Aber wie soll ich Frauchen erklären, was ich alles erlebt habe und dadurch so geworden bin. Ich habe ihr auch 2 Wochen auf die Füße gestarrt, aber nie was getan. Ich hatte schon ein bißchen Angst vor ihr, vor den Mädels aber nicht, die habe ich gleich geliebt. Irgendwann kam die Mama von Frauchen und Frauchen mußte feststellen, dass ich auch keine fremden Frauen in der Wohnung mag. Da war Frauchen ganz schön traurig :(. Sie hat dann eine Trainerin kommen lassen und die hat mich als gefährlich eingestuft, was Frauchen aber schon wußte. Aber die Trainerin kam nie wieder, weil sie keine guten Vorschläge hatte. Ihre Methode fand Frauchen gar nicht gut. Frauchen hat oft geweint und Angst gehabt, dass uns keiner mehr besuchen kommen kann, fast hätte sie mich zurückgegeben, obwohl sie mich so liebt. Ich kann aber verstehen, dass sie einfach nicht immer alleine sein wollte.

Irgendwann fiel Frauchen ein, dass wir uns ja beim Gassi gehen kennengelernt haben. Sie hat das dann mit einem Bekannten getestet. Der hat mich erst gar nicht beachtet und nach einer Zeit bekam ich Leckerlis von ihm und er bekam dann auch die Leine. Er durfte dann mit rein und durfte sich auch bewegen. Drei mal haben wir das gemacht, dann hab ich endlich vertrauen zu ihm gehabt und mich auf den Rücken gelegt, damit er mir den Bauch streicheln kann. Er war mein erster Freund. Dann mußte ich den Papa von den Mädels kennenlernen. Der war so lieb und hat es noch mal mit mir versucht. Irgendwann durfte er mir auch den Bauch kraulen, da ich ihm vertraute.
Frauchens Mama war krank und konnte nie mit mir Gassi gehen, ich kann aber in der Wohnung kein Vertrauen aufbauen und deswegen habe ich es nie geschafft mir ihr warm zu werden. Sie war auch so unsicher in ihren Bewegungen, das hat mir echt Angst gemacht. Im Lauf der Zeit habe ich viele neue Freunde gewonnen beim Gassigehen. Ich habe gemerkt, dass die Leute die mit uns draußen gehen mir nichts tun und mir Leckerlis geben.
Heute lasse ich sie schon auch nach 20 Minuten rein, bekomme aber am Anfang noch viele Leckerlis in der Wohnung. Ich hab nun 15 Freunde, die immer klingeln können und rein dürfen. Wenn Fremde kommen, muß ich ins Schlafzimmer. Am Anfang habe ich die Türe kaputt gemacht, weil ich das nicht gut fand, aber dann ist mein Hundekumpel Peter hier eingezogen. Den hab ich zuerst auch so behandelt wie die Menschen. Aber nun mag ich ihn, obwohl ich glaube er hat manchmal Angst vor mir. Der ist halt ein Schisser ;) Seitdem er mit ins Schlafzimmer muß, macht mir das nichts mehr aus. Aber er darf schonmal raus und mag dann gar nicht mehr zu mir, weil er Besuch mittlerweile ganz toll findet. Manchmal darf auch ich dazu, aber nur mit Leine und Maulkorb. Frauchen sagt immer sicher ist sicher, denn ich hab auch schon ein paar Mal Leute gezwickt.
Manchmal find ich das mit dem Besuch ok, dann darf ich ein bißchen bleiben. Erst zeige ich dem Besuch was ich alles draufhabe und dann ist mir der Besuch erstmal egal, denn ich hab ja gezeigt, wie toll ich bin. Frauchen und ich setzen uns dann etwas außer Reichweite und ich lege mich zu ihr. Manchmal kann ich Besuch gar nicht ab, vor allem wenn er mich gleich anguckt. Ich kann ja nicht flüchten also versuche ich den Besuch mit Drohgebärden zu vertreiben, was aber nichts nutzt. Dann muß ich leider wieder ins Schlafzimmer. Aber da habe ich meine Ruhe und kann entspannen. 

Anfangs war ich auch auf der Straße so, wenn mir Leute entgegenkamen, die mir nicht geheuer waren und ich hatte Angst vor Mülltonnen und allem Möglichen. Mein Frauchen hat, bis auf die Menschen, alles gestreichelt und immer gesagt Alles OK. Da ich ihr vertraue, weiß ich dass das so ist. Wenn sie mir nun sagt, dass ein Mensch, der mir entgegenkommt und mir nicht geheuer ist, auch OK ist, dann glaube ich ihr das. Sie hat immer gesehen, wenn ich meinen Gang verändert habe und hat gleich alles OK gesagt. Ich hab mich dann entspannt. Sie wußte auch schon oft vor mir, wer mir nicht geheuer ist und hat dann von sich aus gesagt, dass der Mensch in Ordnung ist. Nun mache ich sowas nicht mehr. Ich mag aber nicht, wenn jemand uns zu nahe kommt und uns anspricht. Aber auch da bin ich schon besser geworden, denn Frauchen kennt meine Angst und sagt Leuten, die etwas fragen wollen, dass sie Abstand halten sollen, weil ich Angst habe und dann böse werde.

Ich bin richtig froh, dass ich ein so tolles Frauchen gefunden habe, die Verständnis für meine Angst hat. Ich mache das ja nicht um sie zu ärgern. Ich hab aber so dolle Angst und habe auf der Straße gelernt, dass die Leute flüchten, wenn ich böse werde. Ich hatte halt immer Erfolg damit. Stellt euch mal vor, ich wäre bei Leuten gelandet, die kein Verständnis für mich gehabt hätten und auch keine Strategie gefunden hätten, um nicht einsam zu werden. Frauchen sagt immer ich wäre eigentlich der geborene Wanderpokal geworden. Und je öfter mir das passiert wäre, tja, wer weiß ob ich nicht wirklich bösartig geworden wäre. Mein Frauchen hat es nicht immer leicht mit mir aber ich liebe sie und sie liebt mich auch ganz doll!

So mein Frauchen meint, sie möchte auch noch was sagen.
Machts gut ;)


Ennie ist ein ganz liebevoller Hund, der alles wert war. Sie ist intelligent, sensibel und verschmust. Manchmal war ich wirklich sehr verzweifelt. Auch heute kann sie ganz schön dickköpfig sein. Jedoch habe ich einen tollen Vortrag gehört und weiß, dass es mein Fehler ist, nicht ihrer. Ich habe durch sie sehr viel über Hunde und gewaltfreie Erziehung gelernt. Denn bei ihr kann man nichts mit Härte erreichen, sie puschert dann vor Angst. Jetzt würde sie zwar nicht mehr puschern, denn sie hat Selbstvertrauen bekommen und ist uns gegenüber nicht mehr ängstlich. Aber man kann mit liebevoller Erziehung mehr erreichen als mit Strafen oder harten Worten. Klar fände ich es toll, wenn Fremde die Wohnung betreten könnten und sie nicht reagieren würde, aber ich kann damit leben, denn wir haben ja unsere Gassirunden. Natürlich ist nicht jeder Hund so ein Problemhund wie Ennie. Mein Peter aus dem Tierschutz in Spanien ist ganz anders und es gab nie Probleme.

Die kleineren Probleme sind hier nicht erwähnt. Ennie ist ein offensiv angstagressiver Hund. Da ich keinen gescheiten Trainer fand und meine Methoden mehr Erfolg hatten, habe ich ohne Trainer gearbeitet. Das ist nicht unbedingt emfehlenswert, da man sich sehr viel mit Hunden und Hundeerziehung beschäftigen muß. Auch ich habe sehr viele gute Tipps von Freunden bekommen. Wenn Ihr unsicher seid oder merkt, dass sich das Verhalten des Hundes nicht bessert oder sogar verschlechtert, holt Euch unbedingt Hilfe bevor etwas passiert. Nicht nur der Hund wird lernen, sondern auch Ihr werdet viel über Euren Hund lernen, wenn Ihr dazu bereit seid. Und bitte, wenn Ihr merkt, dass der Trainer Eurem Hund nicht gut tut oder Ihr ein schlechtes Bauchgefühl habt, sucht Euch einen anderen. Ein Trainer, der mit positiver Verstärkung arbeitet, ist in meinen Augen der richtige. Straft Euren Hund nicht für unerwünschtes Verhalten, überzeugt ihn liebevoll mit positiven Methoden. 

Ich hoffe, dass ich mit diesem Bericht mehr Verständnis für schwierige Hunde erreichen kann und aufzeigen kann, dass es sich lohnt. Man wird mit so viel Liebe belohnt! Es lohnt sich durchzuhalten, denn es gibt immer einen Weg. Entweder findet man ihn selber oder hat einen tollen Trainer, der einem gute und liebevolle Tipps gibt. Keiner der Ketten oder Flaschen wirft oder wie in meinem Fall sagt, der Besuch soll den Hund anbrüllen. Sowas könnte böse enden. Wenn ihr es nicht schafft oder überfordert seid, wendet euch an den Verein oder bittet einen Trainer um Hilfe. Jeder einzelne Hund ist es wert. Er kann ja nichts für sein Verhalten. Er hat es erlernt. Er ist vielleicht geschlagen oder getreten worden oder hat noch Schlimmeres erlebt. Habt Geduld, er wird es Euch danken und hat so viel zurückzugeben an Euch! Macht ihn nicht zum Wanderpokal.


Viel Erfolg bei Eurem Happy End ;)
Lieben Gruß von Ennie und Frauchen