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HILFE! Dringend Pflegestellen gesucht !!!

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Erfahrungsberichte

Burzels Gechichte....erzählt von seinen Rettern aus Österreich

Burzel kurz nach seiner Rettung....

Wir machen seit 16 Jahren Urlaub in Platamon (100km südlich von Thessaloniki Festlandseite. Am Samstag den 6.8. am Morgen sind unsere 2 Yorkies Jessy und Cora aus dem Wohnwagen herausgeschossen, und haben in das halbfertige Häuschen neben unserem Platz wie wild hineingebellt.

Unser Enkel Manuel hat hineingeschaut, und dort einen Hund entdeckt. Ich habe dann mit einer Taschenlampe bewaffnet einen verängstigten, stark riechenden, fast ohne Haare, zitternden Hund gesehen. Seine Augen waren blutunterlaufen, die Haut blutig, und eitrig, und er war total abgemagert. Wir mussten nun eine Entscheidung rasch fällen, denn wenn ihn die am Platz arbeitenden Albaner (oder auch Griechen) entdeckt hätten, wäre er erschlagen oder davongejagt worden. Den Hund habe ich dann vorsichtig mit einer Decke aufgehoben, er hat sich nicht einmal mehr gewehrt, und in die Box geschoben. Er wurde von tierlieben Griechen gesund gepflegt.

Wir haben "BURZEL" auf unserer Rückfahrt nach Innsbruck 2,5 Wochen später noch einmal kurz besucht. Es ging ihm schon sehr gut, die Haare sind nachgewachsen, die Rippen sieht man fast nicht mehr, und er ist freudig in seinem Gehege herumgesprungen. Er ist übrigens ca. 1 Jahr alt.

Übrigens, der Name "BURZEL" ist meiner Frau Margit eingefallen, weil er einfach so in unser Leben "gepurzelt" ist.
Die unteren Bilder hier zeigen Burzel Anfang Oktober!!! Ist er schön????

Nachtrag Dezember 2005: Burzel hat ein schönes Zuhause in Erkrath in einer Familie gefunden! Wir freuen uns sehr für ihn!

Nachtrag Januar 2006: Burzel ist seinen Menschen entlaufen! Wir suchen ihn überall! Wer ihn gesehen hat, melde sich bitte sofort bei der Tierhilfe Chalkidiki-Griechenland e.V.! Es kann auch sein, dass er an Dritte abgegeben oder weiterverkauft wurde! Burzel ist jedoch Eigentum der Tierhilfe, er darf nicht ohne unser Wissen an Dritte abgebeben werden!

Nachtrag April 2006: Burzel ist wieder da:)) Wir freuen uns sehr, dass diese Odyssee nun doch ein gutes Ende genommen hat! Seine Menschen wollten ihn nicht zurückhaben. Wir haben für ihn ein tolles neues Zuhause gefunden!:))

Burzel ein paar Monate später...

Wie ich Pflegestelle wurde ...

Es fing alles mit einer „Katastrophe“ an: Ich bekam nach fünf Jahren Fleiß und Loyalität die Kündigung aus betrieblichen Gründen. Ich dachte im ersten Moment, mein Leben sei nun zu Ende, ich würde den Rest meiner Tage in totaler Armut und Finsternis verbringen.

Wenn man sein ganzes Leben lang gearbeitet hat, ist es schwer alleine zu Hause zu sitzen und sein Leben für sinnvoll zu halten, ich hatte einfach viel zu viel Zeit. Voller Sehnsucht dachte ich immer mehr an meine verstorbene Hündin Günes, die ich 1986 aus der Türkei mitgebracht hatte. Und so stand mein Entschluss bald fest: Ich wollte wieder einen Hund. Ein Hund bringt Leben und Freude in die Wohnung. Aber ich bin arbeitslos und kann mir keinen Hund leisten, außerdem ist Hundehaltung in unserem Mietshaus verboten. Was konnte ich tun?

Ich sehe natürlich regelmäßig „Tiere suchen ein Zuhause“, dort wurde oft von Pflegestellen gesprochen, was das wohl bedeutete? War es möglich, die Freude einen Hund zu haben und etwas für den Tierschutz zu tun, mit einander zu verbinden? Wie gut, dass es das Internet gibt. Ich suchte mit dem Stichwort „Pflegestelle für Hunde“ und bekam jede Menge Adressen.

Ich informierte mich erst einmal, was es bedeutete Pflegestelle zu sein. Das war nicht bei allen Vereinen gleich, bei einigen bekommt man z. B. das Futter gestellt, bei anderen bezahlt man es selber. Doch daran sollte es nicht scheitern, ich war bereit, ehrenamtlich für einen Verein tätig zu sein. Was sonst noch zu tun war, hatte ich noch nicht vergessen, Gassi gehen, erziehen, spielen, streicheln, schmusen, pflegen, darauf freute ich mich schon.

Aber ich musste mir auch darüber im Klaren sein, dass es bedeutete, jeden Hund wieder abzugeben. Meine Eltern rieten mir davon ab, schließlich kennen sie mich und wissen, wie sehr ich unter jeder Trennung leiden würde. Aber auch das hielt mich nicht davon ab, denn mir war klar, dass der nächste Hund schon warten würde und das sollte mein Ansporn sein.

Ich schrieb mehrere Vereine per eMail an und bewarb mich als Pflegestelle. Christine Wattler vom Verein Tierhilfe Chalkidiki e. V. rief mich als erste an, wir unterhielten uns sehr lange. Sie erzählte mir von den Hunden in Griechenland, die vergiftet wurden oder im Winter ohne Touristen verhungern mussten. Auf meine Frage, ob Straßenhunde sich überhaupt in meiner Wohnung wohl fühlen würden, erzählte sie mir, dass die meisten Hunde ausgesetzt wurden und sich sehnlichst wieder ein richtiges Zuhause mit Anschluss an Menschen wünschten. Ich hatte noch Bedenken wegen der Stubenreinheit, ich wohne im 2. Stock, wie sollte ich da einen Hund stubenrein bekommen? Das sei überhaupt kein Problem, versicherte sie mir, Hunde seien sehr reinliche Tiere und sehr bemüht, ihr Nest sauber zu halten, wenn sie nicht schon stubenrein wären, würde es nicht lange dauern, dann seien sie es von alleine, man sollte in den ersten Tagen nur öfters mit ihnen Sparzieren gehen.

Sparzieren gehen, das war genau das Stichwort, wie sehr freute ich mich schon darauf. Sie hatte mich überzeugt. Ich war jetzt ganz wild darauf und wollte so schnell wie möglich „meinen“ Griechen haben. Zuerst besorgte ich die Erlaubnis vom Vermieter, einen Pflegehund halten zu dürfen und dann stand die Vorkontrolle noch an, ich war sehr nervös und hatte Angst, dass meine Wohnung nicht geeignet wäre oder man mich unsympathisch oder gar unfähig fand. Aber meine Ängste waren unnötig und so wartete ich auf meinen ersten Pflegehund, ich freute mich auf ihn, wie auf mein erstes Rendezvous. Es war Joel, der jetzt in Dortmund glücklich ist.

Inzwischen habe ich den sechsten Hund, es ist nicht leicht, seinen Liebling wieder abzugeben: Man ist sehr pingelig, wenn man das neue Zuhause in Augenschein nimmt; man ist traurig, wenn man ihn in ein fremdes Auto steigen sieht; man hat schlaflose Nächte, weil man sich Sorgen macht, aber man ist auch begeistert, wenn man hört, dass die neuen Besitzer und Hund glücklich miteinander sind.

Ich habe noch keinen Tag bereut, mein Hausarzt ist begeistert, weil es mir inzwischen gesundheitlich besser geht und meine Familie hat sich von meiner Begeisterung anstecken lassen, was mit Sicherheit auch mit dem Charme der Hunde zu tun hat, und unterstützen mich bei jeder Gelegenheit. Ein Hund ist gut für Körper und Seele und man tut noch etwas sinnvolles, indem man sich für den Tierschutz einsetzt. Ich bin Christine Wattler unendlich dankbar dafür, dass sie mich überzeugen konnte, in ihrem Verein mitzumachen, der inzwischen auch mein Verein geworden ist und wir kämpfen gemeinsam mit vielen Freunden für die Hunde und Katzen, die sonst keine Chance auf ein schönes und langes Leben hätten.

(Evelyn Göbel, November 2004)

Sehr geehrte Iris Stertz,

ich schreibe dies alles, weil ich über die entsetzliche und abscheuliche Grausamkeit des Bürgermeisters von Dionisiou in Chalkidiki, Griechenland, nicht schweigen kann. Ich möchte, dass möglichst viele Menschen, die das Leben von Hunden und Katzen achten und schützen und diese lieben, erfahren, was in dem griechischen Dorf Dionisiou Beach (GR-63200) geschehen ist. Ich möchte, dass in einer breiten Masse publik wird, was im EU- Staat Griechenland, in dam man das Leben von Hunden und Katzen nicht respektiert, geschieht.

Ich bin selbst Griechin und lebe schon seit meiner Geburt in Deutschland. Mir war bekannt, dass immer und immer wieder herrenlose Hunde und Katzen überall in Griechenland vergiftet werden, habe es jedoch nie mit eigenen Augen gesehen, weil es wohl nur dann gemacht wird, wenn keine Touristen da sind.

Doch diesmal bin ich durch die Augen meines Vaters, der seit Mitte 2002 in Dionisiou Beach lebt, Zeuge einer Massenvergiftung von Hunden, der sicherlich auch viele Katzen zum Opfer gefallen sind, geworden.

Die Hunde lagen vergiftet im Park und auf den Straßen herum. Beseitigt wurden sie durch die Müllmänner. Sie wurden einfach in die Müllcontainer und später auf die Müllhalde geworfen. Es gab keinen einzigen herrenlosen Hund mehr im Dorf.

Laut der Dorfbewohner geschah die Massenvergiftung der herrenlosen Tiere in Dionisiou Beach auf Anordnung des Bürgermeisters. Aus meiner Sicht wird dies durch das, was unserem Hund widerfahren ist, bestätigt.

Wir haben im September 2002 einem herrenlosen, ca. vier Monate alten Mischlingswelpen ein liebevolles Zuhause gegeben und ihm den Namen Arapis "Der Schwarze" gegeben. Arapis liebte alle Menschen, vor allem Kinder, schwamm mit Leidenschaft wie ein Fisch im Meer und war total verspielt, wie es in der Regel junge Hunde sind. Täglich hatten wir Angst, dass auch Arapis, den wir wegen seines ausgesprochen freundlichen Wesens unheimlich lieb hatten, eines Tages vergiftet wird. Mein Vater hat Arapis aus diesem Grund nie unbeaufsichtigt rumlaufen lassen. Doch es ist trotzdem geschehen.

Am Karfreitag den 08.04.04, hat er einen Giftköder aufgenommen und ist qualvoll daran gestorben. Er wäre im Juni zwei Jahre alt geworden.

An diesem unheilvollen Tag war mein Vater mit Arapis in Richtung Strand unterwegs. Direkt gegenüber von unserem Haus ist in Strandnähe ein abgezäuntes Wiesengrundstück. Auf diesem hält der Bürgermeister von Dionisiou seit diesem Jahr Hühner in einem kleinen Gehege. Mit einem Mal lief Arapis durch ein Loch im Zaun auf dieses Gründstück des Bürgermeisters. Arapis tat das schon immer, weil er gerne auf der grünen Wiese tollte. Mein Vater hat gesehen, dass er sich nach etwas bückte, hat aber aus der Entfernung nicht erkannt, dass Arapis etwas fraß. Auf den Gedanken, dass dieser schlechte Mensch auf seinem eigenen Grundstück Gift auslegt, ist er leider nicht gekommen. Anstatt den Zaun zu flicken, hat der Bürgermeister Giftköder ausgelegt, um noch mehr Hunde zu vergiften

Mein Vater war etwa eine Stunde mit Arapis am Strand unterwegs und nachdem er zurück war, begannen die schrecklichen Krämpfe. Ein Bekannter meines Vaters, hat Arapis Essig eingeflößt, damit er sich übergibt. Sie haben ihn gemeinsam ins Auto gelegt. Arapis hatte sich durch die starken Schmerzen total verkrampft, dadurch war dies sehr schwierig. Mein Vater ist nach Nea Moudania (ca. drei Kilometer vom Dorf entfernt) zum Tierarzt gerast. Dieser hat Arapis drei Spritzen gegeben, um sein Leben zu retten, doch es war leider zu spät. Arapis ist in den Armen meines Vaters qualvoll gestorben. Der Tierarzt sagte meinem Vater , dass das Gift sehr stark gewesen sein muss.

Weshalb ist solch ein schreckliches Gift frei erhältlich?

Wenn das nicht so wäre, könnte man die Täter entlarven!

Erst nachdem mein Vater Arapis begraben hatte, stellte er fest, dass Arapis sich auf der Fahrt zum Tierarzt im Auto übergeben hatte. Es waren mehrere Stücke Lokaniko (Wurst). Mein Vater hat die Polizei verständigt und man sagte ihm "Dagegen kann man nichts unternehmen, da er nicht gesehen hat, wer die Giftköder auf dem Grundstück ausgelegt hat".

Fast jeder im Dorf kannte Arapis und mochte ihn und als mein Vater erzählte, dass Arapis vergiftet worden ist, sagten alle "Das war der Bürgermeister".

Weshalb wird so etwas Grauenhaftes in Griechenland stillschweigend geduldet?

Jeder weiß es und nimmt es als Normal hin.

Alle sagen, dass es wegen der Olympiade geschieht.

Geschieht es auf Anordnung von höherer Ebene?

Ich war über Ostern in Berlin und habe allen meinen Freunden erzählt, wie sehr ich mich auf Arapis freue, wenn ich im Mai nach Griechenland fliege und unser kleiner Liebling war bereits tot. Ich habe es erst am Ostermontag von meinem Vater erfahren. Wir sind so schrecklich traurig. Es vergeht seitdem kein Tag ohne Tränen.

Mein Vater wollte nie einen Hund bevor er Arapis hatte und leidet sehr unter dem Verlust seines kleinen Freundes. Er sagte mir, ansehen zu müssen, wie sehr sich Arapis gequält hat und ihm nicht helfen zu können, sei mit das Schlimmste gewesen, was er in seinem Leben erlebt hat.

Menschen, die so etwas Abartiges tun, haben wahrscheinlich noch nie mit ansehen müssen, wie ein Lebewesen durch Gift stirbt.

Seit einigen Tagen weiß ich, dass auch der Hund von Freunden aus Thessaloniki, die nur für einen Tag in Dionisiou Beach waren, ebenfalls dort vergiftet worden ist.

Ich könnte noch von weiteren Fällen aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis berichten. Denn auch in anderen Dörfern (z. B. Nea Olinthos) hat man sich der herrenlosen Tiere mittels Gift entledigt.

Was kann man dagegen unternehmen, damit dieses grausame Morden aufhört?

Ich habe gehört, dass den Gemeinden in Griechenland von der EU Gelder bereitgestellt worden sind, um herrenlose Hunde und Katzen würdig zu behandeln. Sie sollten in Tierheimen untergebracht und von dort aus an Tierfreunde vermittelt werden. Außerdem sollte diese finanzielle Hilfe für die Sterilisation eingesetzt werden, damit die Zahl der herrenlosen Tiere nicht immer größer wird.

In wessen Taschen fließen diese Gelder ?

Neben unserer Trauer ist auch unsere Wut grenzenlos, weil die für das Vergiften unschuldiger Tiere Verantwortlichen nicht belangt und bestraft werden.

Ich wende mich mit der eindringlichen Bitte an Sie, publik zu machen, wie man sich in Griechenland des "Herrenlose Tiere - Problems" annimmt. Ich hoffe, dass meine Zeilen dazu beitragen, dass solche Menschen, wie der Bürgermeister von Dionisiou, künftig nicht der notwendigen Bestrafung entgehen, die sie für die Ermordung so vieler Tiere verdienen.

Was kann ich noch unternehmen und an wen kann ich mich noch wenden, um dazu beizutragen, damit dem künftig Einhalt geboten wird?

Apostolia Diglidis (2004)

Direktübernahme eines Hundes aus Griechenland

GINGER

Ihr bietet auf Eurer Internetseite das Thema „Erlebnisberichte“ an. Ich nehme an, da dürfen und sollen sich auch Hunde zu Wort melden? Ich möchte, dass Ihr mich ein kurzes Stück meines Weges in eine hoffnungsvolle Zukunft begleitet:

 

Flughafen München, Dienstag, den 26. Juli 2005, spät nachmittags

Ich, Ginger, ein kleiner Hund aus Griechenland, bin soeben mit dem Flugzeug in München angekommen. Ich liege in einer Box und kann nur durch Gitterstäbe raussehen. Obwohl ich sehr müde bin, bin ich aufgeregt: Was erwartet mich wohl? Ich habe Angst!

Ich sehe nur lauter Beine um mich herum. Menschen laufen hin und her.

Meine Flugpatin schiebt den Wagen mit der Box durch die Absperrung. Zwei Menschen nähern sich und sprechen mit meiner Flugpatin, übernehmen dann den Wagen mit der Box und mir.

Die Frau und der Mann beugen sich zu mir runter, strecken ihre Finger durch das Gitter, lächeln mich an, reden zu mir. Ich liege mit erhobenem Kopf und gespitzten Ohren in der Box. Vorsichtshalber schlecke ich dem Herrle mal die Finger ab, kann ja nie schaden, guten Willen zu zeigen. „Sie schläft ja gar nicht mehr“, sagt Herrchen. Als ob er da schlafen könnte, wenn so etwas Entscheidendes in seinem Leben geschieht.

Herrchen schiebt den Transportwagen in Richtung Parkplatz. Zu Frauchen sagt er: Geh Du neben dem Wagen, damit sie Dich sieht.

Beim Auto angekommen, heben die beiden die Box ins Auto, öffnen sie und wollen mich rauslocken. Sie hatten Wasser mitgebracht und ich habe Durst. Aber noch mehr habe ich Angst, ich bewege mich nicht von der Stelle, stehe nur da mit eingezogenem Schwanz, hängenden Schultern, hängendem Kopf. Alles gute Zureden hilft nichts, so schiebt mich Herrchen aus der Box. Die Fahrt geht los. Mit der Zeit traue ich mich, aus dem Fenster zu sehen, alles ist so schön grün da draußen.

Während der Autofahrt klingelt das Telefon. Herrchen spricht mit Frau Reutter von der „Tierhilfe Griechenland“, die wissen will, ob alles gut gelaufen sei bisher. Herrchen berichtet über den Stand der Dinge.

Endlich sind wir am Ende der Fahrt. Frauchen hat Angst, dass ich die Flucht ergreife, sobald sie die Wagentüre öffnet. Aber ich denke gar nicht dran. Ich stehe wieder wie zur Salzsäule erstarrt, senke den Kopf und will es gar nicht sehen, falls was Schlimmes auf mich zukommt. Ich schaue gar nicht hin. Ich bin einfach nicht da!

Herrchen nimmt mich nun auf die Arme und trägt mich durch die Gartentüre. Was muss ich da sehen: Ein riesengroßer schwarzer Hund reißt seine Augen vor Erstaunen ganz weit auf. Er hat Augen so riesig wie Wagenräder. Mit allem hat er gerechnet, nur nicht damit, dass eine Hundedame bei ihm einzieht.

Ganz aufgeregt schnüffelt er mich an. Herrchen ruft ihn zur Ordnung: Das ist Ginger, Deine neue Gefährtin, lass ihr ein bisschen Zeit´, sie hat eh´ schon so viel Angst genug.

Herrchen setzt mich auf ein Hundebett. Abwechselnd Frauchen und Herrchen sind nun bei mir, reden mit mir und streicheln mich. Das tut soooo gut. Sie stellen mir wieder Wasser hin. Dieses Mal verschmähe ich es nicht, denn Durst ist was Schreckliches. Und man könnte ja ein bisschen von dem Futter probieren, bevor sie es sich überlegen, es wieder wegnehmen und womöglich diesem schwarzen Schäferhund namens Dschango geben! Hmmmm, das schmeckt!

Nun bin ich so richtig schön satt. Frauchen geht auf die Terrasse, ich hinterher. Sie geht Treppenstufen runter zum Garten und ruft nach mir. Erst zögere ich und schaue misstrauisch die Stufen an. Na gut, ich probiere es aus. Vier Stufen bis zum Garten ! Todesverachtend laufe ich runter. Oh, es ist gar nichts passiert. Und schon stehe ich bis zum Bauch mitten im grünen, hohen und nassen Gras. Bei jedem Schritt ziehe ich deshalb meine Beine ganz hoch. Frauchen sagt, ich stolziere wie ein Storch. Und was ist das denn? Das muss beschnüffelt werden. „Das sind Schnecken“ sagt Frauchen. Hier sind noch welche ! Ach, nicht interessant genug. Die wollen nicht „jagen und fangen“ spielen.

Abends will Herrchen, dass ich viele, viele Treppen hinaufgehe. Das erscheint mir aber äußerst gefährlich. Ich schlafe lieber im Wohnzimmer. Und so entschließt sich Herrchen, ebenfalls im Wohnzimmer zu schlafen und das halten wir dann eine Woche lang so.

Der zweite Tag:

Ich bin am liebsten ganz nah bei Herrchen oder Frauchen. Da passiert mir nichts!

Dschango macht mir immer unsittliche Anträge, dann zeige ich ihm meine Zähne und habe für mindestens die nächsten fünf Minuten meine Ruhe.

Der dritte Tag:

In der Glastüre sehe ich immer einen Hund. Das ist aufregend. Frauchen sagt, das sei ich selber! Ein komischer schwarzer Kasten steht im Wohnzimmer. Man sieht kleine Figuren und manchmal kleine Hunde. Die bellen oder winseln zwar, aber sie riechen nach nichts. Na ja, werde mich daran gewöhnen.

In der Nacht ist mir ein Malheur passiert. Ich wusste nicht, wie ich es dem Herrchen sagen kann, wenn ich mal hinaus muss. Im Wohnzimmer tue ich´s nicht, da schlafen wir, Herrchen und ich. Aber in der Küche könnte man doch ?!

Der vierte Tag: Ab heute unterstütze ich Dschango. Wir bellen gemeinsam. Unser Duett klingt so beeindruckend, dass wir das jetzt immer so halten. Er braucht mich also dringend. Das hebt mein Selbstbewusstsein.

Man hat mir ein Brustgeschirr umgelegt und eine Leine angelegt. Ich gehe keinen Schritt! Ich spiele wieder „Salzsäule“. Herrchen hängt am anderen Ende der Leine. Ich sehe nicht ein, warum ich ihn ausführen soll. Außerhalb des Gartens ist alles so beängstigend. Und so üben wir jetzt jeden Tag ein bisschen mehr im Garten.

Am fünften Tag: Termin beim Tierarzt. Herrchen trägt mich. Ich gehe keinen einzigen Schritt. Was da so alles passieren könnte! Der Tierarzt redet mit mir. Er erklärt mir, dass er Blut abnehmen muss und dass er das mit einer ganz dünnen Nadel macht, damit es nicht weh tut.

Zu Herrchen sagt er, ich sei ein lieber Hund, nur müsste ich gelegentlich noch laufen lernen.

Und so trägt Herrchen mich wieder aus der Praxis. Die anderen Leute im Wartezimmer schauen ganz mitleidig. Ein fremdes Frauchen fragt: Ist ein Unfall passiert? Der arme Hund kann nicht mehr laufen !

Die Tage vergehen. Verschiedene Nachbarn haben mich schon besucht: „Ist der Hund zu Besuch oder gehört er zur Familie?“ „Er ist Familienmitglied“ erklärt Herrchen stolz.

Die ersten Spaziergänge außerhalb des Grundstücks sind recht aufregend. Ich entscheide, welche Strecke ich selbst laufe und wo Herrchen mich tragen muss. Das kapiert er verhältnismäßig schnell. Ich stelle mich dann hin, lasse die Ohren, den Kopf, die Schultern hängen und stehe stocksteif da.

Heute gehen wir in ein Gartenlokal. Ich getraue mich gar nicht, mich hinzusetzen oder hinzulegen. Die ganze Zeit stehe ich sozusagen unter Hochspannung. Schrecklich, wenn ich mir vorstelle, was mir alles geschehen kann. Frauchen und Herrchen bemerken meine Angst und nun fahren wir ganz schnell nach Hause. Hier kann ich mich endlich entspannen, hier bin ich sicher.

Nach zwei Wochen wage ich mich die vielen Treppen hinauf in den 1. Stock. Es geht ganz einfach. Nun schläft Herrchen wieder im Schlafzimmer. Dschango und ich verabreden uns jeden Morgen. Wir laufen dann zusammen zu Herrchen und wecken ihn auf. Zuerst wird geschmust und dann lässt uns Herrchen in den Garten.

Frauchen und Herrchen lachen immer, wenn ich versuche, so schnell wie Dschango zu sein. Er ist zwar größer als ich und macht größere Schritte. Aber ich mache dann immer mehrere große Sprünge, damit ich ihn einhole. Meine Menschen fragen mich manchmal, ob mein Papa ein Känguru war? So genau weiß man das nicht.

Autos, Traktoren, laufende Menschen, lange Gegenstände, alles was Lärm macht, ängstigt mich immer noch. Ich stehe dann stocksteif. Herrchen und Frauchen nehmen mich in den Arm und reden mit mir, bis ich mich entspanne. Auch in meinen Träumen wirkt mein „1. Leben“ noch nach. Ich zapple mit den Beinen und bewege meine Lefzen. Frauchen weckt mich immer auf und sagt mir, dass ich nur träume, dass ich nicht fliehen muss, dass ich in Sicherheit bin.

Es ist so schön, das Leben mit meinem neuen Rudel, meiner Familie. Hoffentlich bekommen viele meiner früheren Leidensgenossen ein gleiche Chance wie ich.

 

Danke liebe Kirsten Reutter, liebe Christine Wattler und liebe Rebecca !!!

 

Eure Ginger

Ginger mit Dschango und Herrchen und Frauchen Fam. Wengle aus Schechen/Bayern

 Ich fühle mich pudelwohl:))

Besuch bei Rebecca Papadopoulou in Chalkidiki / Griechenland

Unser Urlaub im Herbst 2003 hatte uns die Erfahrung mit der Not der Tiere in Griechenland erbracht - und die Erfahrung, daß es Möglichkeiten der Hilfe gibt.

Spontan erklärten wir uns zu Flugpaten, als Rebecca Papadopoulou unserem Drängen nachgab, zwei streunende Strandhunde, die uns ans Herz gewachsen waren, in ihre Tierstation aufzunehmen und nach Deutschland zu vermitteln.

Für dieses Jahr hatten wir ein Treffen in ihrer Auffangstation für herrenlose Hunde und Katzen vereinbart. Rebecca holte uns völlig übermüdet von unserem Hotel ab; sie hatte seit Tagen winzige Kätzchen mehrfach nachts gefüttert, um sie nach dem Tod der Mutter durchzubringen. Nach einer einstündigen Fahrt kamen wir auf einem Grundstück an, dessen größter Teil als Freifläche für Hunde abgeteilt war. Dort waren in größeren Parzellen immer mehrere Tiere zusammen. Verstreut auf der Wiese befanden sich farbige Holzhütten, in denen sich die Hunde mittags und auch nachts aufhalten können. Eine größere Baracke mit kleinen Kammern fungiert als Station für kranke und verletzte Hunde und Katzen; eine Holzhütte mit drei Zimmern ist Rebeccas Wohnhaus - eine Küche, ein Schlafzimmer für sie und eines für Gäste, wenn gelegentlich Helfer kommen. Vor dem Haus ist eine kleine Terrasse mit Sitzgelegenheit; hier werden die Bewohner von Welpen und zahlreichen Katzenkindern empfangen, die den Kontakt und die Liebe von Menschen suchen und brauchen.

Kontakt und Liebe, das ist so wichtig wie Futter und Wasser, das Rebecca täglich ca. 70 Hunden und 30 Katzen, die sie als Zivilisationsstrandgut aufliest, selbstverständlich gibt - außerdem tierärztliche Versorgung und Vermittlung in ein besseres Leben. Das unmittelbare Erleben dieser Hilfeleistung hat uns eine Dimension menschlichen Verhaltens vor Augen geführt, die wir bisher nicht kannten. In unserer Welt ist Hilfeleistung als organisierte, bürokratische Verhaltensweise vorhanden. Nie zuvor ist uns dieser direkte Kontakt begegnet – die spontane Zuwendung zur leidenden Kreatur, die im Menschen eine wesentliche Ursache ihres Leidens erfahren muß, aber dennoch immer wieder demütig gerade seine Hilfe erfleht.

Es ist angesichts dieser hohen Anzahl von zu versorgenden Tieren völlig klar, daß eine Tierschützerin sich selbst bei dieser Aufgabe völlig hintanstellen muß. Dabei möchten wir ihr immer wieder von hier aus und auch durch direkte Begegnung im Lande helfen.

Unser letztes Erlebnis mit Tieren in Griechenland rundet das Bild ab: Am Nachmittag vor der Abreise wollten wir noch einmal nach Kallithea bummeln. Unterwegs trafen wir auf zwei deutsche Urlauberinnen, die 9 ausgesetzte winzige Katzen fütterten. Die Tiere waren so klein, daß sie gerade mal ein dünnes Fell und eben die Augen geöffnet hatten. Die beiden Frauen waren traurig wegen des Schicksals der Tiere, denn sie wollten am nächsten Tag wie wir nach Hause fliegen. Wir haben Kontakt mit Rebecca aufgenommen - im Flughafen erhielten wir die Message, daß sie mit den Damen einen Termin vereinbart hatte, um die Tiere abzuholen und auf ihre Station zu bringen. Da konnten wir alle guten Gewissens nach Hause fliegen - weil Rebecca unsere Verantwortung auch für diese Katzen übernommen hatte. Weil sie sich nicht Frage stellt, wieviel Sinn es macht, ein Tierleben zu erhalten, ob es einen Zweck hat; weil sie in jedem Geschöpf das unbedingte Lebensrecht erkennt, das für uns nicht zur Disposition steht.

 

Franz und Margret Dissen (Oktober 2004)